Wer nach einer datenschutzfreundlichen Alternative zu Gmail oder Outlook sucht, stößt früher oder später auf Mailfence – einen belgischen E-Mail-Dienst, der Privatsphäre und europäische Datensouveränität in den Mittelpunkt stellt. Ich habe den Dienst ausführlich ausprobiert und berichte hier ehrlich über meine Erfahrungen: Was überzeugt, was nervt – und für wen Mailfence wirklich geeignet ist.
Warum Mailfence als europäische E-Mail-Alternative interessant ist
Mailfence betreibt seine Server ausschließlich in Belgien und fällt damit vollständig unter die strengen europäischen Datenschutzgesetze (DSGVO/GDPR). Wer bewusst auf europäische E-Mail-Anbieter als sichere Gmail-Alternative setzt, findet hier einen ernsthaften Kandidaten. Hinzu kommt: Der gesamte Dienst läuft auf 100 % erneuerbarer Energie. Das ist keine Kleinigkeit – sondern ein deutliches Signal an Nutzer, denen Nachhaltigkeit und digitale Selbstbestimmung wichtig sind.

Gegenüber US-amerikanischen Diensten wie Gmail oder auch Outlook und Hotmail hat Mailfence einen klaren strukturellen Vorteil: Keine amerikanischen Behörden, keine fragwürdigen Datenweitergaben, keine Werbepersonalisierung auf Basis deiner E-Mails.
Kontoerstellung: Unkompliziert – mit einem wichtigen Hinweis
Die Registrierung selbst geht schnell: E-Mail-Adresse mit der Endung @mailfence.com wählen, Passwort festlegen, die Nutzungsbedingungen bestätigen – darunter auch die Altersbestätigung (mindestens 16 Jahre, wie es die DSGVO verlangt). Soweit so einfach.

Ein Punkt, der unbedingt beachtet werden sollte: Mailfence verlangt zwingend eine Wiederherstellungs-E-Mail-Adresse. Diese wird sowohl zur Kontoaktivierung als auch zur Passwortwiederherstellung genutzt. Wer hier eine Wegwerf-Adresse oder einen gesperrten E-Mail-Anbieter einträgt, scheitert direkt bei der Registrierung.

Mailfence sperrt aktiv Wegwerf-Domains und blockiert gelegentlich auch Registrierungen aus bestimmten IP-Adressen oder Regionen. Ich selbst bin genau in diese Situation geraten:

Das Kundensupport-Team hat mein Konto schließlich manuell eingerichtet – kein Drama, aber ein kleiner Umweg. Wer auf dieses Problem stößt, muss sich keine großen Sorgen machen: Eine Kontaktaufnahme mit dem Support löst das Problem in der Regel zügig.
Die Oberfläche: Funktional, aber kein Augenschmaus
Nach dem Login zeigt sich die Mailfence-Oberfläche als gut strukturiert, aber optisch wenig zeitgemäß. Wer von Gmail oder Proton Mail kommt, wird sich an das Design von Outlook circa 2014 erinnert fühlen. Alles funktioniert tadellos – es fehlt schlicht der moderne Feinschliff, den man von neueren Diensten gewohnt ist.

E-Mails zu verfassen geht problemlos von der Hand:

Was Mailfence klar von einer reinen E-Mail-Lösung abhebt, ist der integrierte Funktionsumfang: Neben dem Postfach gibt es eine Dokumentenverwaltung mit Cloud-Speicher und einen vollwertigen Kalender. Die Dokumentenablage lässt sich sogar als virtuelles Laufwerk in den eigenen Computer einbinden – praktisch für alle, die eine datenschutzfreundliche Alternative zu Google Drive oder OneDrive suchen.


Insgesamt entsteht so eine komplette Produktivitätssuite, die sich durchaus mit europäischen Microsoft-Alternativen messen kann – jedenfalls was den Funktionsumfang betrifft.
Verschlüsselung: Mächtig, aber nur auf Wunsch
Hier liegt der größte Unterschied zu Konkurrenten wie Proton Mail oder Tuta Mail. Beide Dienste verschlüsseln standardmäßig alles automatisch – ohne dass der Nutzer irgendetwas tun muss. Mailfence geht einen anderen Weg.
Der Dienst unterstützt sowohl OpenPGP-Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als auch passwortbasierte Verschlüsselung – beides ist jedoch Opt-in. Das bedeutet: Wer einfach eine E-Mail schreibt und auf „Senden“ klickt, verschickt eine ganz normale, unverschlüsselte Nachricht. Für Nutzer, die maximale Privatsphäre als absolute Priorität sehen, ist das ein relevanter Unterschied.

Hat man die Verschlüsselung jedoch einmal eingerichtet, bietet Mailfence wirklich beeindruckende Möglichkeiten. OpenPGP ist ein offener Standard, was bedeutet: Verschlüsselte Nachrichten können mit jedem PGP-kompatiblen E-Mail-Programm ausgetauscht werden – nicht nur zwischen Mailfence-Nutzern. Schlüsselverwaltung, digitale Signaturen und Absenderverifizierung sind allesamt möglich. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber Tuta, das ein proprietäres, geschlossenes Verschlüsselungsformat verwendet. Wer mehr über ProtonMail Erfahrungen lesen möchte, um einen direkten Vergleich zu ziehen, findet dort ausführliche Einblicke.


Preise: Transparent und fair aufgestellt
Mailfence bietet ein kostenloses Basiskonto an, das bereits ausreicht, um den Dienst in Ruhe kennenzulernen. Wer mehr möchte, kann auf einen der bezahlten Tarife upgraden – die Preise sind klar kommuniziert und in vielen Punkten günstiger als vergleichbare Stufen bei Proton. Mit einem bezahlten Abo erhält man Zugang zu E-Mail-Filtern, größerem Speicherplatz sowie der Unterstützung externer Mail-Clients über IMAP, POP und SMTP. Wer einen Vergleich europäischer Anbieter für geschäftliche E-Mail-Dienste sucht, findet dort eine detaillierte Übersicht.
Was fehlt – und was stört
Ein merkliches Manko bleibt: Mailfence kennt keine Funktion zum zeitversetzten Versand von E-Mails. Wer bei Proton Mail daran gewöhnt ist, eine Nachricht für später zu planen, wird dieses Feature vermissen. Für einen Dienst, der sich an professionelle und datenschutzbewusste Nutzer richtet, ist das eine auffällige Lücke. Hinzu kommt das optisch veraltete Design – kein K.O.-Kriterium, aber durchaus spürbar im täglichen Gebrauch.
Fazit: Für wen lohnt sich Mailfence?
Mailfence ist ein solider, vollwertiger E-Mail-Dienst mit echtem Datenschutzfokus. Die Kombination aus belgischem Hosting über emailproviders.be, DSGVO-Compliance, OpenPGP-Verschlüsselung, integriertem Kalender, Dokumentenspeicher und fairen Preisen macht den Dienst zu einer ernsthaften Alternative zu den großen Tech-Konzernen. Wer bewusst auf einen europäischen Anbieter umsteigen möchte, ist hier gut aufgehoben.
Wer hingegen Zero-Knowledge-Verschlüsselung ohne jeden Konfigurationsaufwand erwartet – wie sie Proton oder Tuta bieten –, wird sich bei Mailfence möglicherweise etwas alleingelassen fühlen. Auch das fehlende „Später senden“-Feature und das etwas angestaubte Design sind reale Abzüge in der Gesamtwertung.
Wer aber Wert auf offene Standards, flexible OpenPGP-Verschlüsselung, europäische Datenhosting und eine integrierte Produktivitätssuite legt, dem sei Mailfence wärmstens empfohlen. Einen Blick ist der Dienst in jedem Fall wert – direkt auf mailfence.com.
| ✅ Vorteile | ❌ Nachteile |
| DSGVO-konform, belgische Jurisdiction | Oberfläche wirkt optisch veraltet |
| OpenPGP + passwortbasierte Verschlüsselung verfügbar | Verschlüsselung ist Opt-in, nicht standardmäßig aktiv |
| Faire und transparente Preisgestaltung | Keine Funktion zum zeitversetzten Versand |
| Inklusive Kalender, Dokumentenspeicher und Kontaktverwaltung | Kostenloses Konto hat begrenzten Speicherplatz |
| Interoperabel mit allen PGP-Clients | Registrierung kann bei bestimmten E-Mail-Domains scheitern |
| 100 % erneuerbare Energie |
